Links, laut, echt: Waving the Guns zeigen im Zakk Düsseldorf, was Rap kann

Live-Auftritt von Deutschrapper Waving the Guns auf der Bühne im Zakk Düsseldorf. Der maskierte Künstler in schwarzem Shirt rappt energiegeladen vor roter Leinwand mit seinem Porträt, begleitet von DJ am Pult. Bunte Bühnenlichter (rot, weiß, blau), Publik
Waving the Guns im Zakk Düsseldorf: Maskiert, laut und mit klarer Botschaft – ein intensiver Abend, fotografiert und berichtet von Thomas Tautz.

Ich darf mal wieder ins Zakk. Dieses Mal wartet "Waving the Guns" auf mich. Um mir ein Bild zu machen check ich erst mal meinen Streamingdienst... Und hatte nicht erwartet, dass es so politisch wird. Ein linker Deutschrapper. Nicht links, weil ich das so betitel, sondern, weil er es ist. Als Fan von Audio88 und Yassin trifft das meinen Geschmack, sehr gut. Die Atmosphäre zwischen dem einströmenden Publikum ist sehr freundlich und angenehm. Die Menschen sind  bunt gemischt, jung bis alt, männlich wie weiblich, ich glaube auch die ein oder andere Transperson auszumachen. Die meisten sehen nicht nach Hip-Hop aus, es könnte genauso gut ein Punk Konzert sein, dementsprechend bin ich gespannt, was mich erwartet.

Haschi, Aqva & DJ Frostschutzmittel: Boom-Bap-Warmup mit Herz, Nervosität und starker Bühnen-Chemie


Der Support-Act besteht aus Haschi, Aqva & DJ Frostschutzmittel aus Duisburg. Der Sound ist schöner Boom Bap und Haschi überzeugt mich mit seiner kratzige Stimme und smooth en Art. Geht auf jeden Fall sehr gut ins Ohr und so wie das Publikum reagiert, nimmt es die drei sehr gerne auf. Haschi ist ein bisschen nervös, er spiele das "das erste Mal vor mehr als 50 Leuten" und ist richtig glücklich darüber heute der Support zu sein. Ungewöhnlich ist seine weibliche Back-Up Rapperin Aqva, allerdings ist die auch seine Partnerin, also doch nicht so ungewöhnlich. Das Miteinander auf der Bühne ist top, sie ist wirklich cool und kann ordentlich was am Mic, was sie auch mit eigenen Parts unter Beweis stellt.

Abriss mit Haltung: Waving the Guns liefern politischen Rap, Frauen-Moshpit und ein klares antifaschistisches Statement im Zakk

Jetzt ist Zeit für den Main-Act. Entgegen aller Klischees gegen Links veranstaltet Waving the Guns Abriss. Er springt auf die Bühne und entfaltet seine ganze Energie. Die Menge eskaliert direkt mit. Die Leute springen und gröhlen mit. Textlich hat WTG viel zu bieten. Er ballert nicht einfach irgendwelche Phrasen oder Kampfparolen raus, sondern spricht Tatsachen an, hat einen Standpunkt und klingt dabei weder künstlich noch aufgesetzt. Zwischendurch hat er immer wieder ein paar gute Storys auf Lager und spricht mit der Crowd. Zum Beispiel merkt er selbst, wie schwierig es ist sich mit über 30 links zu radikalisieren ohne unerwachsen zu erscheinen, ich erkenne mich ein bisschen wieder. Er spricht von Zusammenhalt, gegen Spaltung, gegen nach unten treten, gegen eine Politik von Merz und Thiel und erreicht damit das gesamte Publikum. Stark.

Irgendwann fordert er einen Moschpit – nur für Frauen und das kommt sehr gut an. Während ich das ganze von oben beobachte, bleibe ich dabei, dass es nicht meins ist, sehe aber, dass die aktiven unten sehr viel Spaß haben.

 

Wir kommen zum Ende. Neben den Rufen nach einer Zugabe, durchdringt ein "Alerta Alerta Antifaschista" Chor das Zakk. Laut. Stark. Ernst gemeint und dennoch nicht bedrohlich. Es war eine sehr coole Show mit sehr guten Inhalten, und einem wirklich guten Rapper. Zum Abschluss spielt er "Es hätte so ein schöner Abend werden können" und das war er auch. Vielen Dank

INSIDE-RUHR

 

Rüdiger Schwenn 

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