von Thomas Tautz

Im Zuge des Lieblingsplatte Festivals darf ich heute den Auftritt von Kinderzimmer Productions shooten.
Die Jungs aus Ulm sind mir auf jeden Fall bekannt. Ihren Hit "Doobie" von 1999 könnte ich lange Zeit auswendig, habe sie danach aber aus den Augen bzw Ohren verloren.
Jetzt stehe ich hier im Zakk in Düsseldorf und bin gespannt. Die Halle füllt sich langsam aber sicher mit Menschen. Kurz am Merchstand vorbei, die Doobie Maxi-CD und das Album "Im Auftrag ewiger
Jugend und Glückseligkeit" auf Tape gekauft. Support für die Künstler muss ja auch sein.
Zum Einstand steht DJ Underground an den Plattentellern und schwört das Publikum mit 90er Jahre Deutschrap und Boom Bap ein. Ein entspannter Vibe, smooth Beats, hinter mir die Crowd. Kopfnickend
genieße ich das Set.
Jetzt wird es Zeit für die beiden Ulmer Jungs. Quasi Modo spielt das Intro, welches ich am Morgen noch im Auto gehört habe, dachte ich zumindest. Textor kommt auf die Bühne, lässt den ersten
Applaus verhalten und erzählt, dass das Album 30 Jahre alt ist und das heute das erste Mal war, dass jemand das Intro im Original gehört hat und hält das Tape hoch, welches ich mir vorhin noch am
Merchstand geholt habe - "Hier ist das Originalintro drauf!" - sehr cool.
Textor hat einen kleinen Tisch neben sich stehen, auf dem Gerätschaften stehen. Offensichtlich soetwas wie ein Soundboard. Er nimmt immer wieder Sätze auf, lässt sie ins Echo gehen, sich
wiederholen, spielt Sounds ein. Irgendwie cool, mal was anderes. Weiter geht's mit "Lights! Camera! Action!"
Spannend den Sound der 90er im Jahr 2025 zu hören. So haben sie alle angefangen. Heute undenkbar, aber die Leute die hier sind fühlen das Ganze. Sie nicken mit dem Kopf, manche sind echt
textsicher und rappen mit, sie genießen den Auftritt und wissen den Abend zu schätzen.
Track nach Track, Soundspielerei nach Soundspielerei performen Kinderzimmer Productions ihr 30 Jahre altes Album und scheinen immer noch voll und ganz dahinter zu stehen. Die beiden haben eine
tolle Energie auf der Bühne, auch wenn Textor eine kleine Privatfehde mit dem Mikrofonkabel hat.
Ich mag den Sound, den das Album hat. Schöne Samples, jazzig, coole Drumsets.
Und dann ist es zu Ende... Das Publikum klatscht begeistert Applaus und fordert umgehend eine Zugabe. Und die soll es bekommen. Textor informiert uns zuvor noch darüber, dass er auf der Bühne
kaum etwas sieht und kaum etwas hört. Irgendjemand im Publikum ruft "Komm runter!" und alle lachen. Ab geht die Zugabe. Ich stehe oben auf der Galerie und schaue mir das ganze an. Hip-Hop Ü40 hat
was chilliges. Hier geht's einfach nur um den Vibe und einen guten Abend für jeden. Wenn ich den Applaus richtig deute, dann wurde der gute Abend definitiv erreicht.