
Es gibt Abende, da spürt man schon auf der Fahrt: Das hier könnte etwas Besonderes werden. So war es, als ich an diesem Samstag Richtung Geldern unterwegs war – zum Joker Rock and Blues Club in dem Restaurant Lindenstuben, der restlos ausverkauft war. Organisiert hatte die Veranstaltung der Culturkreis Gelderland e. V. Die Stimmung: erwartungsvoll, warm, familiär. Ein Club, in dem Musik gelebt wird.
Ally Venable kannte ich bereits von der „30 Jahre Ruf Records“-Jubiläumstour Show im Musiktheater Piano Dortmund – Niveau war also klar hoch. Doch ihr Auftritt übertraf alles. Kaum betrat sie die Bühne, hatte sie das Publikum. Pure Energie, Strahlen, jugendliche Leichtigkeit plus Profi-Wucht – die Außenwelt war vergessen.
Begleitet von ihrem eingespielten Duo (Isaac Pulido Drums, E. J. Bedford Bass/) saß der Groove bombenfest.

Direkt am Anfang kam Luca Holkenborg nach seinem Set raus – Ally Venable hatte den 16-Jährigen gleich mit aufs Parkett geholt. Das Duell der Gitarren entfachte sofort Funken, Texas-Blues traf auf europäisches Nachwuchstalent
Beeindruckend: Zwei Stunden, in denen Kenny Wayne Shepherds Einfluss spürbar war – ohne Kopie. Ally filtert Texas-Blues durch ihre Persönlichkeit, explodiert mit Intensität à la den Großen. „Tribute to SRV" als leidenschaftliche Verneigung vor Stevie Ray Vaughan, dazu Texas/Louisiana-Anekdoten, Buddy-Guy-Erinnerungen und Soli zwischen Introvertiertem und Eruptivem.
Der Abend spann Genres: harter Rock, tiefer Blues, gefühlvolle Balladen, meditative Soli, funkige Grooves. Highlight: „Stopper Back Papa" – live grooviger als auf Platte. Club vibrierte, Publikum mittendrin.
Fazit: Ein unvergesslicher Abend
Perfekte Kulisse : nah, warm, ehrlich. Ally nutzte die Nähe für zwei Stunden purer Intensität. Musikalisch eine Wucht – menschlich sowieso.
Die Luca-Holkenborg-Band legte als Vorgruppe starken Start hin. Der 16-jährige Luca eröffnete – und man merkte sofort: In seinen jungen Adern fließt pure Blues-DNA. Tolle Soli, starke Gitarrenarbeit.