TWIN PEAKS – Köln, MTC, 14.10.2019 Gitarrengrüße aus Chicago Konzertreview von Thomas Höhner

,Lookout Low’ heißt das erst Mitte September 2019 erschienene neue Album der Band aus Chicago. Auf ihrer ausgedehnten Tour haben sie im MTC in Köln Station gemacht. Der in einem Keller gelegene Club befindet sich in einem belebten Viertel in der Nähe des Zülpicher Platzes.

 

 

Als die Vorgruppe DEHD um kurz nach acht die Bühne betritt, ist es noch bedenklich leer in der Hütte. Auch diese Truppe kommt aus der,Windy City‘ und besteht aus Emily Kempf (b, voc), Jason Balla (g, voc) und Eric McGrady (dr). Als die Band loslegt, holen die erfahrenen älteren Konzertbesucher Ohrenstöpsel raus. Gut nachgedacht, denke ich noch, aber ich habe diese Teile noch nie benutzt, obwohl ich in mal nach einer Show der Toten Hosen in der Biskuithalle in Bonn mindestens fünf Tage Ohrensausen hatte. Damals gab es sogar mal eine Rangliste mit den höchsten Dezibelwerten bei Rockkonzerten. Offenbar durch die Geräuschentwicklung alarmiert, strömen nun immer mehr Leute herein und der Club füllt sich noch ganz gut. Teilweise erinnert mich der Beat von DEHD an die frühen Flamin Groovies. Die Bezeichnung, Surfpunk‘ für die Musik finde ich ganz passend. Ok, der Sound hatte Luft nach oben, aber es gibt niemanden am Mischpult. Später stellt sich heraus, dass der Gitarrist der Vorgruppe beim Hauptact hinter dem Mischpult sitzen sollte. Die Mucke war laut und gut. Kein schlechter Start.

Um kurz nach neun betreten dann die Twin Peaks die Bühne. Live hatte ich, Chicago’s finest‘ wie sie vom Club angekündigt wurden, noch nicht gesehen. Das neue Album ist richtig gut und vor allem sehr abwechslungsreich. Neben Garagen-Rock (das MTC erinnerte mich anfangs von der Form her an eine übergroße Garage, passt also), etwas Pychedelic und Punk finden sich schöne Soulelemente (,Dance through it‘) und auch Folk und Country auf der Platte, zum Teil mit Bläsern. Als das Quintett, d. h. Schlagzeuger Connor Brodner , Bassist Jack Dolan die drei Gitarristen Cadien James, Clay Frankel und Colin Croom, der nebenbei und teilweise gleichzeitig noch die Keyboards bediente, die Bühne betritt, habe ich nach den Erfahrungen mit der Lautstärke der Vorgruppe Respekt. Aber Alles ist gut. Es gibt die volle Gitarrendröhnung. Der wunderbare Opener ,Casey’s Groove‘ vom neuen Album stimmte alle auf die folgenden gut 70 Minuten ein. Die Band macht zunächst einen Streifzug durch ihre älteren Alben, wobei mir ,Making Breakfast‘ vom Album, Wild Onion‘ besonders gefällt. Abwechslungsreich ist das Ganze auch deshalb, weil die vier(!) Sänger der Band sehr unterschiedliche Stimmen haben. Auch das neue Album kommt nicht zu kurz. Die Versionen von, Better than stoned‘ und, Sunken II‘ und besonders der ,Ferry Song‘ kommen live viel härter und aggressiver als die Studioversionen. Das Publikum ist begeistert. Die entrückten, Gitarrengesichter‘, die besonders Clay Frankel zum Besten gibt, machen auf mich den Eindruck, als hätten auch die Musiker Spaß. Die Band zieht das Tempo zum Ende hin wieder an. Cadien James, der auch die rockigeren Songs singt, begibt sich mit Gitarre mitten ins begeisterte Publikum und bringt die Show nach Hause. Nach zwei Zugaben ist dann Schluss. Als ich auf die Straße trete, merke ich ein leichtes Rauschen auf den Ohren. Egal!  Das war heute genau die richtige musikalische Anwendung nach einem stressigen Tag im Büro. Ohrenstöpsel werde ich mir trotzdem nicht holen.

Thomas Höhner