Lieblingsplatte-Festival Vol. 3

Es ist bereits die dritte Ausgabe des Lieblingsplatte-Festivals im zakk: Unter dem Motto „Wichtige Alben deutscher Popgeschichte live“ werden vom 8. - 15. Dezember sechs Alben auf die Bühne gebracht, die allesamt noch nie in einem Konzert am Stück performt wurden.

 

Der Bogen wird gespannt vom ersten deutschen Punk-Album aus dem Jahr 1979 von der Düsseldorfer Band Male bis hin zum Debütalbum des Songwriters Gisbert zu Knyphausen aus dem Jahr 2008. Außerdem bringt die Hamburger Band Die Sterne ihr Meisterwerk „Posen“ mit, das den größten Hit der Band enthält, „Was hat dich bloß so ruiniert“. Das Berliner Undergroundpop-Duo Stereo Total spielt sein Album „Musique Automatique“, das zwischen Kraftwerk-Anleihen und trashigen Vintage-Sounds changiert. Die Band Kreidler bringt Sounds aus dem L‘Age d‘Or vom Salon des Amateurs mit. Auf ihrem Album Mosaik 2014 sind die Klangwelten zu bestaunen, die Düsseldorfs elektronische Musikszene weltweit bekannt gemacht haben.

 

Wie bei den letzten beiden Ausgaben von Lieblingsplatte darf natürlich der HipHop beim Festival nicht fehlen. Dieses Jahr bringt die Bochumer Gruppe Ruhrpott AG ihr Schlüsselwerk "Unter Tage" auf die Bühne. Das Werk stammt aus dem Jahr 1998 und lässt sich dem Old School-HipHop zuordnen: trockene und reduzierte Beats bilden die Grundlage für die ausgefeilten Raps der drei MCs.

Male Sa. 08.12.2018

Kreidler Mo. 10.12.2018

Stereo Total Di. 11.12.2018

Die Sterne Mi. 12.12.2018

Gisbert zu Knyphausen Do. 13.12.2018

Ruhrpott AG Sa. 15.12.2018

Male spielen ihr Album Zensur und Zensur

Eröffnungskonzert des Festivals mit Aftershowparty,

8.12.2018 zakk Düsseldorf

Für wenige Jahre befindet sich in Düsseldorf das Epizentrum der deutschen Popmusik. Es ist die Zeit, in der Kraftwerk in den 70ern weltweit große Erfolge feiert und Bands wie Neu! und D.A.F. internationale Strahlkraft entwickeln. Doch es ist nicht nur die elektronische Musikszene, die kreativ den Zeitgeist spiegelt und für Innovation sorgt. Sehr früh bildet sich in Düsseldorf eine Punkszene, inspiriert vom Sound aus London, wo Sex Pistols und The Clash die Protagonisten der neuen Musikszene sind. Praktisch zeitgleich schießen in Düsseldorf junge Bands aus dem Boden, und Male sind in der Stadt am Rhein Vorreiter. Ende 1976 wird die Band von Jürgen Engler, Bernward Malaka und Stefan Schwaab gegründet.

 

Im März 1977 spielen sie ihre erste Show im Ratinger Hof, der in den kommenden Jahren Hotspot der Musik -und Kunstszene ist. Eines der zentralen Punk-Alben überhaupt, „Never Mind The Bollocks“ von den Sex Pistols erscheint im Oktober ´77, woran sich erkennen lässt, dass die Düsseldorfer Punkszene der internationalen nicht folgte, sondern zeitgleich die neue musikalische und textliche Ausdrucksform entwickelte. Punk war neu, Punk war jung, Punk stellte alles in Frage - politisch, kulturell, ästhetisch. Die Musik sollte rau, simpel und reduziert sein. Die Texte sloganhaft, provozierend, assoziativ. 1979 veröffentlichen Male ihr Debüt „Zensur und Zensur“, es ist das erste komplett deutschsprachige Punkalbum überhaupt. Male werden Impulsgeber einer Szene, die Bands wie Mittagspause (später Fehlfarben), S.Y.P.H., KFC oder ZK (später Die Toten Hosen) hervorbrachte. Peter Hein, dessen Fehlfarben das erste Lieblingsplatte-Festival eröffneten, bezeichnet sich selbst als „größten Fan“ von Male und ließ sich von der Band dazu anstiften, mit Charley´s Girls selbst eine frühe Punkband zu gründen. Nach einem Auftritt beim „Belehrung und Unterhaltung Festival“ im November 1980 in Berlin entscheiden sich Jürgen Engler und Bernward Malaka, traditionelle Songstrukturen hinter sich zu lassen und komponieren die Stahlwerksinfonie. Ihre neue Band nennen sie Die Krupps, mit ihr gelingt der internationale Durchbruch. Zuletzt konnte sich das Düsseldorfer Publikum im April diesen Jahres von der Bühnenpräsenz ihres charismatischen Frontmanns

Jürgen Engler überzeugen.

 

Tracklisting „Zensur und Zensur“:

1. Bilk ´80

2. Risikofaktor 1:x

3. Kontrollabschnitt

4. Zensur & Zensur

5. 1 Tag Düsseldorf

6. Haftbefehl

7. Vaterland

8. Polizei

9. Ampelstadt

10. Großeinsatz

11. Zensur-Dub

12. KH 3

13. Erinnerungen

14. Planspiel

 

Male live:

Jürgen Engler - Gesang, Gitarre

Stefan Schwaab - Gitarre

plus special guests

 

Kreidler spielen ihr Album Mosaik 2014

10.12.2018, zakk Düsseldorf

Kreidler beginnen ihre musikalische Reise 1996 mit dem Debütalbum „Weekend“. Ihr Ansatz ähnelt dem Stil amerikanischer Post-Rockbands wie Tortoise und Trans Am: Die Tracks atmen den Geist des Indie-Rocks, sind auf repetitiven und treibenden Schlagzeug-Mustern aufgebaut. Hinzu kommen Elemente aus europäischer Kunstmusik, der Minimal Musik und des Jazz. Geistesverwandte finden sie nicht nur jenseits des großen Teiches, sondern auch in Düsseldorf mit Mouse On Mars (die das letztjährige Lieblingsplatte-Festival eröffneten) oder To Rococo Rot. Im Laufe der Jahre entwickeln Kreidler sich weg vom Postrock der 90er Jahre, und das hat damit zu tun, dass sie ins Zentrum des Energiefeldes vom Musikclub "Salon des Amateurs" in der Düsseldorfer Altstadt rücken. Ab den Nullerjahren wird der Salon zur Heimat und Brutstätte eines „Sounds of Düsseldorf“, der Acts wie Stabil Elite, Hauschka, Tolouse Low Trax, Jan Schulte und Lena Willikens hervorbringt oder inspiriert. Im Jahre 2009 erscheint „Mosaik 2014“, nun ist die Band bei sich angekommen und hat ihren Sound gefunden. Das Album beginnt mit einer Synthie-Melodie, wie sie einem alten Kraftwerk-Track entstammen könnte, dann folgt ein archaischer Electro-Beat, es kommen rhythmische Elemente hinzu, die an afrikanische Tribal-Percussion erinnern. Ein weiterer Track des Albums heißt gar „Impressions d‘Afrique“, die Suche nach einem Ur-Beat ist typisch für die Künstler aus dem Salon Des Amateurs-Umfeld. „Mosaik 2014“ weckt Bilder im Kopf des Hörers, ist Soundtrack zu einem nie gedrehten Film. Die Musik erscheint visuell - nicht weiter verwunderlich, da Kreidler im Umfeld der Düsseldorfer Kunstakademie entstanden sind. Kreidler entwerfen abstrakte, und doch universell anmutende Klanglandschaften. „Mosaik 2014“ ist beileibe keine Kopfmusik, die Beats und Melodien der zehn Tracks des Albums lösen körperliche Reaktionen aus. Bei den Liveperformances von Kreidler entwickeln ihre Kompositionen einen akustischen Sog, dem man sich kaum entziehen kann.

 

Tracklisting Mosaik 2014:

1. Mosaik

2. Zero

3. Marauder

4. Brass Cannon

5. High Wichita

6. European Grey

7. Doom Boys

8. Impressions d'Afrique

9. Luminous Procuress

10. Untitled

Kreidler sind:

Detlef Weinrich - Elektronische und akustische Instrumente, Computer

Andreas Reihse - Elektronische und akustische Instrumente, Computer

Alex Paulick - Elektronische und akustische Instrumente, Computer

Thomas Klein - Elektronische und akustische Instrumente, Computer

 

Stereo Total spielen ihr Album Musique Automatique

11.12.2018, zakk Düsseldorf

Françoise Cactus und Brezel Göring sind das Traumpaar des Berliner Pop-

Undergrounds. Spätestens mit Musique Automatique, das im Jahr 2001 erscheint, werden sie endgültig zur Indie-Ikone. Denn mit „Liebe Zu Dritt“ und „Wir Tanzen im 4-Eck“ enthält das Album die größten Hits von Stereo Total. Die fünfzehn Songs des Albums bieten einen perfekten Trip durch den Kosmos der Band. Der Opener des Albums bringt einen scheppernden Garage-Beat mit Kraftwerk-Anleihen zusammen und beschwört den besonderen Geist elektronischer Musik: "la musique automatique, la musique érotique“. Überhaupt sind auf dem Album kaum Gitarren zu hören, Brezel Göring holt alles aus seinen Vintage-Synthies und selbstgebastelten elektronischen Klangerzeugern heraus. Und dann Francois mit ihren einzigartigen Vocals, die immer sexy und schwerelos klingen, egal ob auf

Deutsch mit französischem Akzent, auf Französisch oder diesmal sogar auf Türkisch! Brezel Göring kommt 1988 aus Hessen nach Berlin, wo er mit Françoise Cactus in der Band „Sigmund Freud Experience“ gemeinsam Musik macht. Bald wird aus einem Quartett das Duo Stereo Total, und 1995 legen Cactus und Göring ihr Debütalbum „Oh Ah“ vor, das in Indie-Kreisen sofort begeistert aufgenommen wird. Françoise Cactus wächst in der französischen Provinz auf und kommt über Paris und Norwegen nach Berlin. Der Ansatz von Stereo Total ist von vorne herein international ausgerichtet, ihre Konzert-Tourneen führen sie durch ganz Europa, Nord- und Südamerika, Japan, China und Russland. Die Alben des Duos werden in vielen Ländern veröffentlicht, und so wächst ihre auf der ganzen Welt verstreute Fangemeinschaft ständig. Bei Lieblingsplatte wird der besondere Spirit von Stereo Total zelebriert, Brezel Görings Sounds tönen schrill, durchgeknallt, obertrashig und supercool. Und Françoise Cactus beschreibt ihr Alter Ego im Song „Für immer 16“ so: „ich bin nicht wirklich eine Frau/ ich verstehe nichts vom Leben/ für mich ist alles ein Traum/ ich möchte niemals wach werden/ ich will bleiben/ für immer 16.“

 

Tracklist „Musique Automatique“:

1. Musique Automatique

2. Liebe zu Dritt

3. Ma Radio

4. Wir Tanzen Im 4-Eck

5. Les Chansons D'A

6. Kleptomane

7. Adieu Adieu

8. Für Immer 16

9. Je Suis Une Poupée

10. Ich Weiss Nicht Mehr Genau

11. Le Diable

12. Nationale 7

13. Exakt Neutral

14. Ypsilon

15. Hep Onaltí'Da

 

Stereo Total live:

Françoise Cactus (Schlagzeug und Gesang)

Brezel Göring (Gitarre, Synthesizer, Samples)

 

Die Sterne spielen ihr Album Posen

12.12.2018, zakk Düsseldorf

Die Sterne sind die tanzbarste, funkieste und sexieste Band aus der Hamburger Schule. Ihre Songs geben den Beinen Grund zu zappeln, und dem Kopf Grund zu grübeln. In dieser Kombination hat dies selbst außerhalb der Hamburger Schule keine deutsche Band so gut hinbekommen. Mit ihren ersten beiden Alben „Wichtig“ (1993) und „In echt“ (1994) legen sie vor, aber mit „Posen“ wird die Band Mitte der Neunziger zur Institution, die einer ganzen Generation ein Gesicht geben kann. Wie Blumfeld oder Tocotonic verstehen es Die Sterne, das Lebensgefühl ihrer Zeit in kurze treffende Texte zu packen: „Wir hatten Sex in Den Trümmern/Wir träumten/Wir fühlten uns ganz schön bedeutend“. Die Leichtigkeit und Mühelosigkeit, die vomSound der Sterne ausgeht, findet sich in den Texten wieder: „Ich scheiß auf deutsche

Texte“ heißt gleich das erste Lied auf „Posen", es will sich von den vielen Deutungsebenen und dem Bedeutungsschwangeren distanzieren, das oft mit denSongs der Hamburger Schule verbunden wird. Und dann ist da noch der größte Hit auf dem Album, den die Sterne geschrieben haben: „Was hat dich bloß so ruiniert“. Im Video zum Song stellen Die Sterne selbstironisch ihren Marktwert im gehypten Deutsch-Pop Markt der Neunziger Jahr im Vergleich zu den Tocos, Selig oder den Fanta 4 dar. Die Plattenbosse beobachten im Clip den Marktwert von Die Sterne, der am Ende durch die Decke geht. So ist es nicht gekommen. Die Sterne wurden kein kommerzieller Mega-Act, dazu nehmen ihre Texte letztendlich wohl doch eine intellektuelle Wendung zu viel, und dazu hat sich die Band der Markttauglichkeit zu sehr verwehrt. Wir sind froh, dass sich Die Sterne treu geblieben sind, und viele Bands und Musiker aus der deutschen Indie-Szene sehen das ebenso. Diese haben nämlich letztes Jahr zum Bandjubiläum die Songs der Sterne neu aufgenommen. Auf dem Album „Mach's Besser: 25 Jahre Die Sterne“ sind Musiker-Kollegen und Bands wie Isolation Berlin, Stereo Total und Lambert neben Düsseldorfer Bands wie Fehlfarben, Kiesgroup oder Family 5 vertreten.

 

Tracklisting „Posen“:

1. Scheiss Auf Deutsche Texte

2. Inseln

3. Risikobiographie

4. Zucker

5. Themenläden

6. Unter Geiern II

7. Swinging Safari

8. Was hat dich bloß so ruiniert

9. Stell die Verbindung her

10. Trrrmmer

11. Frank Orgel

12. Schnorrvögel

 

Die Sterne live:

Frank Spilker - Gesang, Gitarre

Thomas Wenzel - Bass

Christoph Leich - Schlagzeug

Dyan Valdes - Keyboards

 

Gisbert zu Knyphausen spielt sein Album Gisbert zu Knyphausen 13.12.2018, zakk Düsseldorf

Im Jahr 2008 betritt ein neuer deutscher Songwriter die Bühne: Gisbert zu Knyphausen. Er sollte einer der herausragenden seiner Generation werden. Gisberts Familie entstammt einem alten ostfriesischen Adelsgeschlecht, man will meinen, das seien nicht die idealen Wurzeln für einen Pop-Poeten. Weit gefehlt, Gisberts Songwriting ist frei von Manierismen und Prätentiösem, er schreibt in virtuosen Worten vom Zustand der Welt und seiner Seele. Gisberts Songdichtung ist indes nicht trendy und arbeitet sich nicht am Zeitgeist ab. Als er mit seinem Album vor zehn Jahren auf den Plan trat, hatte man das Gefühl, ein junger Reinhard May schüttelt dem frühen Bob Dylan die Hand. Musikalisch sind Gisberts Kompositionen durchaus an der angloamerikanischen Songwriter-Tradition orientiert, und der Stream-Of-

Consciousness in seinen Texten erinnert ebenfalls an die großen amerikanischen Schreiber wie Dylan und Cohen. Sein Umgang mit der deutschen Sprache weist jedoch in die Zeit, als hierzulande ein junger Konstantin Wecker, Reinhard Mey oder Wolf Biermann erstmals anspruchsvolles Songwriting betrieben. Seinen Stil hat Gisbert sofort gefunden und bis heute beibehalten: er erzählt Geschichten von gebrochenen Herzen, zweifelnden Seelen und einer unbestimmten Sehnsucht. Seine Lieder transportieren eine Melancholie, die nicht existentiell erscheint, und dann doch auf einmal durchschlägt. Nach seinen ersten beiden Alben „Gisbert zu Knyphausen“ und „Hurra! Hurra! So nicht.“ gab es einen Bruch in Gisberts Laufbahn: Er gründete mit Nils Koppruch die Band Kid Kopphausen und nahm das Album „I“ auf. Kurz vor der geplanten Release-Tournee zum Album verstarb Nils Koppruch unerwartet. In der Folge zog sich Gisbert zu Knyphausen zurück und kam erst im letztem Jahr mit dem neuen Album „Das Licht dieser Welt“ zurück. Für Lieblingsplatte kehrt Gisbert an den Anfang seiner Laufbahn zurück. Erst vor zehn Jahren hat er die Bühne betreten, aber es scheint wie eine Ewigkeit, und seither hat sich seine und unsere Welt grundlegend geändert.

 

Tracklisting:

1. Neues Jahr

2. Erwischt

3. Wer Kann Sich Schon Entscheiden?

4. Der Blick In Deinen Augen

5.Flugangst

6. Spieglein, Spieglein

7. Herzlichen Glückwunsch

8. Gute Nachrichten

9. Kleine Ballade

10. Sommertag

11. So Seltsam Durch Die Nacht

12. Verschwende Deine Zeit (Gisbert Blues Nr. 135)

 

Live auf der Bühne:

Gisbert zu Knyphausen - Gesang, Gitarre

Jens Fricke - Gitarre

Gunnar Ennen - Gitarre, Rhodes, Tasten

Frenzy Suhr - Bass

Sebastian Deufel - Schlagzeug

 

Ruhrpott AG spielen ihr Album Unter Tage

Abschlusskonzert des Festivals mit Aftershowparty, 15.12.2018 im zakk

Wurden bei den letzten beiden Ausgaben des Lieblingsplatte-Festivals Künstler aus den HipHop-Hochburgen Heidelberg (Torch & Stieber Twins) sowie Hamburg und Stuttgart (ASD) vorgestellt, so kommen die Raps diesmal aus dem Westen. In NRW existiert von den Anfängen des deutschen HipHop an eine lebendige Szene, die sich aber erst 1998 mit dem Album „Unter Tage“ von RAG selbst ein Denkmal setzt. RAG ist im Bezug auf die hiesige Szene eine Supergroup und bildet sich aus den Vorgänger-Crews Filo Joes und Raid. Auf einmal stehen vorne auf der Bühne mit Aphroe, Pahel und Galla drei wortgewaltige MCs und werfen ihre Rap-Skills in einen Topf. Mit „Unter Tage“ wird gleich ihr Debütalbum zum Meilenstein deutscher HipHop-Geschichte, das mit „Kopf Stein Pflaster“ einen veritablen Underground-Hit enthält. Von Anfang an geht es der Ruhrpott AG nicht darum, ein Stück vom Kommerz-Kuchen abzubekommen, der ab Ende der 90er Jahre im deutschen HipHop verteilt wird. Dazu sind ihre Beats zu trocken und old-schoolig, ihre Rhymes zu philosophisch und abstrakt. Aber die Tracks von „Unter Tage“ beeinflussen Rapper wie Marteria und Curse bis heute und werden viel gesampelt im deutschen

HipHop. 2001 erscheint RAGs zweites Album P.O.T.T.E.N.T.I.A.L.. Danach ist schon Schluss und die Mitglieder der Band verfolgen Solo-Karrieren. Doch mit nur zwei LPs haben Aphroe, Pahel, Galla und DJ Mr. Wiz die Blaupause geschaffen für einen Rap auf Deutsch, der zu gleichen Teilen komplex, wortgewaltig und tiefgründig sein kann und trotzdem ein rußverschmiertes Bein auf der Straße hat. Im Jahr 2011 verstirbt Galla viel zu früh. So werden die beiden MCs Aphroe und Pahel die deepen und metaphorischen Lyrics von „Unter Tage“ auf die Bühne bringen. Rechtzeitig zu Lieblingsplatte wird das Album zum 20-jährigen Jubiläum wiederveröffentlicht, dies wird beim Abschlusskonzert des Festivals gebührend gefeiert. Auch mit dem ein oder anderen special guest zur Unterstützung der Ruhrpott AG darf man - wie beim letztjährigen Konzert der Stieber Twins - sicher rechnen.

 

Tracklist „Unter Tage“:

1. Unter Tage

2. Ohne Gewähr

3. Westwind

4. Klangkörpergrößen

5. Requiem

6. Kopf Stein Pflaster

7. Terrarist

8. Stratego

9. Unter Tage

10. Kreuzwortfeuer

 

Ruhrpott AG live:

Aphroe - MC

Pahel - MC

Mr. Wirtz - DJ