THE ALLMAN BETTS BAND - Die Söhne von Legenden - Die Legende geht weiter...

Konzertreview von Thomas Höhner

Photo Credits: Andreas Klüppelberg

ALLMAN BETTS BAND – Köln, Yard Club 23.07.2019

Prolog: Wir schreiben das Jahr des Herrn 1991, genau genommen den 04.07.1991. Die Allman Brothers Band spielt im E-Werk in Köln-Mülheim. Dank der Gnade meiner frühen Geburt war ich dabei. Ich durfte miterleben, wie Gregg Allman, Dickey Betts mit einem jungen Warren Haynes und den übrigen Brüdern den alten Elektroschuppen erneut unter Strom setzten und das fast drei Stunden lang. Nach der Show kam Gregg noch zu den Fans, stellte uns seine damalige Lebensgefährtin vor und signierte mein Ticket. Ok, man neigt dazu, solche Ereignisse mit der Zeit zu verklären, aber es war ein einschneidendes Ereignis in meinem Leben als Konzertgänger.

Zeitsprung: Köln-Niehl, Yard Club, 23.07.2019, 21:12 Uhr, 31,5 Grad Celsius Innen- und Außentemperatur. Meine Frisur sitzt, als Greggs Sohn Devon Allman und Dickeys Sohn Duane Betts mit Band die Bühne betreten. Ich denke noch, dass ich mir in meiner Jugend für eine Zeit lang nur Platten gekauft hatte von Bands, die zwei Schlagzeuger oder zumindest zusätzlich einen Perkussionisten hatten. Das passt schon mal (John Lum und R. Scott Bryan). Sie beginnen dann mit ,All Night‘,dem von Devon gesungenen rockigen Opener ihres gerade erschienenen Albums ,Down to the River‘. Danach darf Duane ran mit ,Shinin‘ und ,Blue Sky‘, der Hymne seines Vaters. Allerdings wird der Sound zunehmends zum Thema. Die Gitarren von Duane und dem weiteren Gitarristen Johnny Stachela sind für mich kaum zu hören und gehen wie Duanes Stimme im lauten Basswummern unter. Der neben mir stehende Tourmanager der Band erklärt mir, dass die Anlage der Band für einen relativ kleinen Saal wie den Yard Club schlicht zu groß ist.

Aber sie kriegen das hin. Nach ,Autumn Breeze‘, einem Stück von Duane und für mich einem der Highlights des neuen Albums, noch der John Lee Hooker-Klassiker ,Dimples‘, bevor ich dann ,Purple Rain‘ von Prince erkenne. Ich muss gestehen, dass ich den Song nie besonders mochte, aber trotz meiner Vorbehalte/Vorurteile entwickelte sich der Song zu einem der Highlights des Abends. Devon riss den Song förmlich an sich, ging auf den Vorsprung der Bühne und legte ein Solo auf seiner goldenen Gitarre hin, das wohl auch Prince gefallen hätte.

Generell scheint die Chemie in der Allman Betts Band zu stimmen. Man spürt, dass sie sich selbst hohe Maßstäbe setzen wollen. Hierbei erfolgte die Gründung der Band erst gegen Ende 2018 und man kann hier sicherlich noch kein blindes Verständnis in allen Höhen und Untiefen eines Konzerts verlangen. Duane Betts und Johnny Stachela wirken auch anfangs irgendwie reserviert. Duanes Stimme ist für mich zu leise. Als würde Devon dies erkennen, nimmt er die Zügel wieder in die Hand. Es folgt ein gelungenes Tom Petty-Cover mit ,You got lucky‘ und dann sein aus dem Jahr 2006 stammendes Stück ,Midnight Lake Michigan‘. Bei diesem wunderschönen Instrumental-Stück gibt Devon Alles an seiner Gitarre und auch Johnny Stachela läuft zu absoluter Hochform auf. Für mich ist der Höhepunkt der Show erreicht, als dieses Stück stetig an Fahrt aufnehmend zum Ende hin quasi explodiert. Wahnsinn! Dann zum Abschluss noch das Titelstück des neuen Albums. Devon hat das Kölner Publikum mittlerweile so fest im Griff, dass es den Refrain mitsingt und das bei einem Song, der gerade erst wenige Wochen auf dem Markt ist. Der Kölner ist halt Weltbürger und versteht bei Einnahme von Kölsch viele Sprachen und Gesänge. Als Zugabe dann noch ,Southern Accents‘, ein weiteres Tom Petty-Cover und ,Long Gone‘, eine schönen Ballade ebenfalls vom neuen Album. Auch dieses Stück lebt von seiner stetig ansteigenden Spannung und Dramatik zum Ende hin. Hierbei reißt eine Seite von Devons Akustikgitarre. Das Mikrofon rutscht ab. Bassist Barry Oakley Jr. versucht zu helfen und dies alles während des Songs. Als ein Roadie und sogar der Tourmanager helfen wollen, stößt Devon sie quasi von der Bühne. Er ist völlig im Tunnel und rockt das Stück wie besessen zu Ende. Wow! Rock’n’Roll! Dann ist Schluss! Ich bin auch am Ende!

 

Ich sehe Gregg, wie er in einem himmlischen Konzertsaal, der mich an das alte Fillmore East erinnert, an einer weißen Hammond B3-Orgel sitzt und vielleicht einen Prince-Song interpretiert. Er wäre stolz auf seinen Sohn und auf die ganze Band gewesen. Ich denke noch, dass hier zusammenwächst, was zusammen gehört, werfe für diesen Spruch aber 3,50 € quasi als Strafe ins Phrasenschwein, d.h. die Kasse der Bar, um mir einen kühlen Gerstensaft zu zischen. Kommt bald wieder, Jungs!

Thomas Höhner

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