MAGIC BUS (UK-Band) – The Earth Years

MAGIC BUS (UK-Band) – The Earth Years

erschienen am 19.06.2020, 38:34 min.

“Kosmischer Trip in einem magischen Bus“Album Review von Thomas Höhner

Vorweg: Magic Bus hat nicht viel mit der Musik von The Who zu tun, geschweige denn sind die Mannen um den Gitarristen und Songwriter Paul Evans aus Totnes, Devon, eine Coverband. Die Band scheint ihre Inspiration aus der Folk-und Rockmusik Ende der 60er und Anfang der 70er Jahre des letzten Jahrtausends zu nehmen, ohne dabei verstaubt zu wirken. Im Gegenteil: Ihr neues, mittlerweile viertes Album mit dem Titel „The Earth Years“ wirkt frisch und unverbraucht.

Das beweist bereits das erste Stück des Albums „Easy OM“, das mich nach einem flotten Start in eine entspannte Stimmung versetzt und auf eine musikalische Zeitreise einstimmt. „Inca Trail“, das zweite Stück entführt die Zuhörer dann mit schönen akustischen Gitarren auf einem Keyboard-Klangteppich in das Prog-Rock-England der 1970er Jahre. Es folgen zwei sehr gelungene Folksongs, bei denen man mit der Band in den Sonnenuntergang schwebt („Setting Sun“) und sie auf einer imaginären Reise zur spanischen Kathedrale „La Mezquita“ in Cordoba („The Road to La Mezquita“) begleitet, wobei man diese Reise aus verschiedensten Blickwinkeln erlebt. Die schon fast mystisch klingende Stimme von Paul Evans kommt hier besonders gut zur Geltung.

 

Das Stück „New Day“ beginnt mit einem sehr melodischen Gesangsteil, später gefolgt von einer psychedelischen Instrumentalpassage im Mittelteil und endend mit einem fulminanten Gitarrensolo von Terence Waldstädt. Nach einigen eher ruhigeren Stücken wird man schon fast überrascht vom hämmernden Gitarrenriff, das den Song „Barleycorn“ einleitet. Es folgen abwechslungsreiche Breaks und ein psychedelischer Jam am Ende, schön untermalt von der Hammond-Orgel von Jay Darlington. Magic Bus können und wollen nicht verleugnen, dass sie neben der Musik der Canterbury-Scene auch vom Sound der Westcoast-Musik der USA und Bands wie „The Grateful Dead“ oder „Crosby, Stills, Nash & Young“ beeinflusst sind. „New Day“, „Barleycorn“ und das sieben Minuten lange Stück „Squirrel“ sind wegen der schönen Jams und der wohl dosierten Gitarrenarbeit von Evans und Waldstädt für mich die Highlights des Albums. Dann zum Schuss noch „We are one“ mit einem glaubhaften Appell, zusammenzuhalten („We are one, one beneath the sun, we are one, together we are one”). In einer Zeit, in der es populär zu sein scheint, nicht weitsichtig und an das große Ganze, sondern in eng begrenzten Horizonten zu denken, kann ich solche Botschaften gerade nicht oft genug hören.

 

Ich habe die Band im Sommer 2019 live gesehen, als sie für die Chris Robinson Brotherhood in Düsseldorf eröffneten. Die Livepräsenz war beeindruckend. Daher war ich sehr gespannt auf das Album und bin begeistert. Sie haben es geschafft, aus den verschiedenen musikalischen Einflüssen einen authentischen eigenen Sound zu kreieren. Ich habe die musikalische Reise mit „Magic Bus“ sehr genossen.

 

 

Thomas Höhner